Sport im Kindesalter – Weiterbildung in der Sportmedizin

Sport im Kindesalter

Freudbetonter Sport ist wichtig, beim Training mit Leistungsanspruch ist auf ausreichende Regenerationszeiten der Kinder zu achten.

An der Universitätsklinik Leipzig fand eine Ärzteweiterbildung zum Thema Sportmedizin statt, an der Dr. Gläser in seiner Eigenschaft als Sportarzt teilgenommen hat: „Sport und seine Auswirkungen auf den Stütz- und Bewegungsapparat“

Die Themenschwerpunkte waren zum einen die gesundheitsförderlichen Effekte von Sport im Kindes-, Jugend- sowie dem Erwachsenenalter, zum anderen wurden die alters- und sportartentypischen Verletzungsmuster mit ihren modernen Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt. Die für jeden gesunden oder auch verletzten Freizeitsportler wichtigen Kernbotschaften der wissenschaftlichen Veranstaltung hat Dr. Gläser hier für Sie zusammengestellt:

  • Kinder profitieren von einer freudbetonten sportlichen Betätigung in wechselnden Sportarten für ihre körperliche, geistige und soziale Entwicklung.
  • Beim Training mit Leistungsanspruch ist durch Trainer und Eltern auf ausreichende Regenerationszeiten der Kinder zu achten, mindestens 2 Erholungstage pro Woche.
  • Da bei Kindern Knochen- und Gelenkverletzungen mit folgenschweren Verletzungen der Wachstumsfugen auftreten können, ist immer spezielle Röntgen- oder MRT-Diagnostik erforderlich.
  • Während Wachstumsschüben besteht durch ein Missverhältnis der Körperproportionen und der neuromuskulären Steuerung eine verminderte Trainingsbelastbarkeit und ein erhöhtes Verletzungsrisiko, daher ist eine Verminderung der Trainingsintensität wichtig.
  • Zu hohe Trainingsumfänge können bei Mädchen die normale Pubertätsentwicklung deutlich verzögern.
  • Schulsport muss durch außerschulischen Sport ergänzt werden, um einen nachhaltigen positiven Gesundheitseffekt zu erzielen.
  • Schlechte allgemeine Fitness im Kinder- und Jugendalter ist aufgrund der Folgekrankheiten eine „Zeitbombe“ für das Gesundheitssystem.
  • Auch bei orthopädischen Vorerkrankungen ist Sport mit ausgewählten Sportarten sinnvoll. Wirbelsäulenfreundlich sind z.B. Nordic Walking, Schwimmen, ungünstig für die Wirbelsäule sind z.B. Gewichtheben, Squash.
  • Bei akuten Muskelzerrungen gilt die PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagerung.
    Weiterhin ist Taping sinnvoll zur Verbesserung des Lymphabflusses und der sensomotorischen Muskelansteuerung.
  • Sehnenverletzungen und Überlastungen sind ernst zu nehmen und müssen sauber auskuriert werden da es im schlimmsten Fall bis zum Sehnenriss kommen kann. Warnzeichen sind schmerzhafte Sehnenverdickungen mit Festigkeitsverlust.
  • Folgende Trainingsmischung macht Muskeln, Sehnen und Gelenke fit: Ausdauer für Durchblutung/Stoffwechsel, vielseitiges Koordinationstraining für die neuromuskuläre Ansteuerung, Krafttraining für Muskelmassenzunahme.
  • Nach Studienlage ist vom Einsatz von Schmerzmitteln (z. B. Ibuprofen) beim Ausdauertraining abzuraten, da keine Steigerung der Laufleistung und keine Minderung des Schmerzes nach dem Lauf erfolgt.
  • Sport hilft bei der Vorbeugung und Behandlung bei Gelenkarthrose.
  • Arthrose-Prävention durch Sport (Außer bei Kontaktsportarten wie Eishockey, Fußball, Handball, Kampfsport) ist durch wissenschaftliche Studien belegt: durch Normalisierung des Körpergewichts, durch fittere Muskeln und Zunahme der Knorpeldicke sind die Gelenke besser geschützt.
  • Vor und nach Gelenkprothesen-Einbau müssen die Muskelketten fit gemacht werden, sonst bleiben die Beschwerden die gleichen.
  • Auch Gelenkprothesenträger sollen und können bei Beschwerdefreiheit, normalem Körpergewicht und nach gesicherter Einheilung Sport treiben. Günstig sind Schwimmen, Aquajogging, Radfahren, Langlauf klassisch, Nordic Walking. Ungünstig sind Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko und schnellen Richtungswechseln wie Squash, Fußball, Kampfsport.
  • Das größte Risiko bei Osteoporose sind Frakturen durch Stürze. Neben einer stabilen Knochenstruktur (mitentscheidend sind Vitamin D und Mineralien) ist das Sporttraining die wichtigste Therapieoption. Ziel ist eine gute Körperwahrnehmung mit Balance und Koordination und eine gute Kraftausdauer. Die Messung der Knochendichte hat keinen Einfluss auf das Sturz- und Frakturrisiko und wird häufig überbewertet.